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Industriemechaniker Ausbildung, Gehalt & Weiterbildung

  • Autor: Laura Lindemann
  • Aktualisiert: 31.10.2023
  • Lesedauer: 10 Minuten
industriemechaniker werden

Factsheet

Empfohlener Schulabschluss: Jeder Schulabschluss
Ausbildungsart: Duale Ausbildung
Dauer der Ausbildung: 3,5 Jahre
Einstiegsgehalt: ca. 2900 ‚ā¨
Arbeitsorte: Industriebetriebe, Gerätehersteller
Arbeitszeiten: Schichtdienst

Was macht ein Industriemechaniker?

Du brennst f√ľr Maschinen und Produktionsanlagen, scheust Dich nicht vor k√∂rperlicher Arbeit und bringst gleichzeitig ein gutes technisches Verst√§ndnis mit? Dann ist der Job des Industriemechanikers vielleicht der Richtige f√ľr Dich!

Als Industriemechaniker bist Du daf√ľr verantwortlich, dass die Produktion im Betrieb reibungslos l√§uft. Schlie√ülich wird es teuer, wenn Industrieanlagen stillstehen und die Produktion nicht vorangehen kann. Die typischen Aufgaben eines Industriemechanikers sind:

Anfertigung von Industriemaschinen

Der neue Standort braucht eine Fertigungsanlage f√ľr Autoteile. Als Industriemechaniker ist es Deine Aufgabe, diese Industriemaschine zu bauen und in Betrieb zu nehmen. F√ľr die einzelnen Bauteile braucht es technische Zeichnungen und Modelle, die Du anfertigst und anhand derer die Teile fertigst.

Montage

Sind die einzelnen Bauteile gefertigt, m√ľssen sie nat√ľrlich auch zu einer funktionierenden Maschine zusammengesetzt werden. Nicht nur bei der Fertigung, sondern auch bei der Montage ist Pr√§zision gefragt – es entscheiden tausendstel Millimeter dar√ľber, ob die Maschine fl√ľssig l√§uft oder nicht. Als Industriemechanikerin wei√üt du, mit welchen Teilen Du beginnst und wie sich eine Industriemaschine leicht zusammensetzen l√§sst. Nachdem Du die grundlegenden Funktionen programmiert hast, pr√ľfst Du mit bestimmten Messger√§ten, ob alles funktioniert. Erst dann √ľbergibst Du die Maschine an den Kunden und weist ihn in die Benutzung ein.

Instandhaltung & Wartung

Zu deinen Aufgaben geh√∂rt auch, die Industriemaschinen regelm√§√üig auf ihre Funktionsf√§higkeit zu pr√ľfen. Ist eine Maschine defekt, findest Du den Fehler und fertigst bei Bedarf ein Ersatzteil an. Ist dieses wieder eingebaut, funktioniert alles wieder wie geschmiert! Pflege, Wartung und Reparatur geh√∂rt zu Deinen Grundaufgaben als Industriemechaniker. Auch k√∂rperliche Arbeiten wie Schleifen, Fr√§sen und Bohren geh√∂ren zu Deinem Job in der Werkshalle.

Wo kann man als Industriemechaniker arbeiten?

Industriemechaniker braucht man √ľberall dort, wo es gro√üe Maschinen oder Produktionsanlagen gibt. Dabei kannst Du in vielen unterschiedlichen Branchen t√§tig sein, wie z.B. in der Textilindustrie oder in der Chemiebranche. Auch am Flughafen kannst Du als Industriemechaniker eingesetzt werden.

Tätig bist Du meistens in Werk- und Produktionshallen oder in Werkstätten. Du kannst aber auch als Servicetechniker im Außendienst arbeiten, hier wirst Du von Kundinnen und Kunden dann angefordert, wenn eine Maschine repariert werden muss.

Ausbildung zum Industriemechaniker

Bei der Ausbildung zum Industriemechaniker handelt es sich um eine duale Ausbildung. Das bedeutet, dass die Ausbildung gleichzeitig an zwei Orten stattfindet: In der Berufsschule und in Deinem gewählten Ausbildungsbetrieb. Die praktischen Kenntnisse und Fähigkeiten lernst Du im Betrieb vor Ort, an zwei Tagen in der Woche oder im Blockunterricht am Wochenende wird Dir in der Schule das theoretische Wissen beigebracht.

Je nachdem, worauf Dein Betrieb spezialisiert ist, vertiefst Du Dein Wissen in den Gebieten Feingerätebau, Maschinen- und Anlagebau, Produktionstechnik oder Instandhaltung. Normalerweise wirst Du auch nach Deiner Ausbildung in einem dieser Einsatzgebiete arbeiten.

Die Industriemechaniker-Ausbildung dauert ‚Äď wie auch bei anderen Industrieberufen √§hnlich ‚Äď 3,5 Jahre. Unter gewissen Bedingungen kann die Ausbildungsdauer auch verk√ľrzt werden. In Deinem zweiten Ausbildungsjahr musst Du bereits den ersten Teil der Abschlusspr√ľfung absolvieren. Nach weiteren anderthalb Jahren der Ausbildung steht dann der zweite Teil der Abschlusspr√ľfung an. Hast Du alles bestanden, darfst Du dich als gepr√ľfte:r Industriemechaniker:in bezeichnen.

Welche Voraussetzungen muss man f√ľr die Ausbildung zum Industriemechaniker erf√ľllen?

  • Mindestens Hauptschulabschluss
  • Gute Noten in Mathematik, Physik & Technik
  • Handwerkliches Geschick
  • Gutes r√§umliches Vorstellungsverm√∂gen
  • Gutes Sehverm√∂gen
  • Keine Allergien gegen Metalle
  • Sorgf√§ltige Arbeitsweise
  • K√∂rperliche Belastbarkeit

Grunds√§tzlich kannst Du mit jedem Schulabschluss Industriemechanikerin werden. Oft werden die Ausbildungsstellen aber f√ľr Schulabg√§nger mit mittlerer Reife ausgeschrieben ‚Äď dieser steigert also deine Chancen. Doch auch mit einem Hauptschulabschluss kannst Du einen Ausbildungsplatz finden, wenn du das n√∂tige technische Verst√§ndnis mitbringst.

Am besten hast Du zusätzlich gute Noten in Mathematik, Physik und Technik. Wichtiger als Deine Schulnoten sind aber Deine Soft Skills und weitere Fähigkeiten: Als Industriemechaniker:in ist Sorgfalt und Genauigkeit extrem wichtig, ebenso wie handwerkliches Geschick und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und körperliche Belastbarkeit.

Grundvoraussetzung f√ľr die Arbeit als Industriemechaniker:in ist au√üerdem ein gutes Sehverm√∂gen. Oft musst Du mit sehr kleinen Teilen arbeiten, die Du gut sehen musst. Hinzukommt, dass Du keine Allergie gegen Metalle, zum Beispiel Nickel, haben darfst. Diese Voraussetzungen werden vom Arzt beim Einstellungstest gepr√ľft.

Wie läuft die Ausbildung zum Industriemechaniker ab?

Typisch f√ľr die duale Ausbildung ist der st√§ndige Wechsel aus Theorie und Praxis. Als Azubi arbeitest Du von Beginn an im Betrieb, und √ľbernimmst nach und nach immer mehr und anspruchsvollere Aufgaben. Gleichzeitig wird Dir an festen Tagen in der Woche in der Berufsschule das n√∂tige theoretische Wissen beigebracht.

In der Ausbildung gibt es keine Fachrichtungen, wie es z.B. beim Fachinformatiker f√ľr Systemintegration der Fall ist. Alle Industriemechaniker:innen bekommen also eine identische Grundausbildung. Zus√§tzlich gibt es vier Spezialisierungen, die alle Auszubildenden kennenlernen. W√§hrend der Ausbildung vertiefst Du Dein Wissen in einer dieser Spezialisierungen. Welche das ist, h√§ngt f√ľr gew√∂hnlich von Deinem Ausbildungsbetrieb und der ausgeschriebenen Stelle ab.

Theorieunterricht

In der Berufsschule werden immer allgemeinbildende F√§cher wie Deutsch und Sozialkunde unterrichtet. F√ľr das technische Verst√§ndnis und Berechnungen lernst Du zudem Mathematik, Physik und Informatik. Weitere Lernfelder f√ľr den Ausbildungsberuf Industriemechaniker:in sind:

  • Fertigungs-, Montage- und Instandhaltungsprozesse
  • Automatisierungsprozesse
  • Betriebs- und Wirtschaftsprozesse
  • Technisches Englisch

Praxis

Im Ausbildungsbetrieb lernst Du, wie Industriemaschinen und -anlagen funktionieren und aus welchen Bauteilen sie sich zusammensetzen. Du lernst, Maschinen und Ger√§te herzustellen und k√ľmmerst Dich auch um deren Wartung und Instandhaltung. Je nachdem, in welcher Spezialisierung Dein Ausbildungsbetrieb t√§tig ist, kommt es nat√ľrlich auch zu Unterschieden bei den Aufgaben.

Deine T√§tigkeiten musst Du in einem schriftlichen Berichtsheft festhalten, das regelm√§√üig von Deinem:r Ausbilder:in √ľberpr√ľft wird.

Abschlusspr√ľfung

Den ersten Teil Deiner Abschlusspr√ľfung absolvierst Du bereits im zweiten Ausbildungsjahr. In der Pr√ľfung musst Du eine Arbeitsaufgabe erledigen, die situative Gespr√§chsphasen und schriftliche Aufgabenstellungen beinhaltet. Die Gespr√§chsphasen umfassen insgesamt h√∂chstens 10 Minuten, der schriftliche Teil umfasst maximal 90 Minuten.

Der zweite Teil der Abschlusspr√ľfung wird am Ende der Ausbildung absolviert. Er besteht aus schriftlichen und einer praktischen Aufgabe. Schriftliche Aufgaben sind:

  1. Arbeitsauftrag
  2. Auftrags- und Funktionsanalyse (105 Minuten)
  3. Fertigungstechnik (105 Minuten)
  4. Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten)

F√ľr die praktische Aufgabe gibt es zwei unterschiedliche Varianten. Dein Betrieb entscheidet vorher dar√ľber, ob Du einen betrieblichen Auftrag (Variante 1) oder die praktische Arbeitsaufgabe (Variante 2) absolvieren musst.

Variante 1 (Betrieblicher Auftrag):
Du musst in 18 Stunden einen betrieblichen Auftrag durchf√ľhren und mit praxisbezogenen Unterlagen dokumentieren. Danach musst Du dar√ľber ein fachbezogenes Gespr√§ch f√ľhren, das h√∂chstens 30 Minuten dauert. Bewertungsgrundlage ist das Fachgespr√§ch, erg√§nzt mit den praxisbezogenen Unterlagen. Dein Ausbildungsbetrieb muss die Aufgabenstellung inklusive des geplanten Bearbeitungszeitraums dem Pr√ľfungsausschuss im Vorfeld vorlegen.

Variante 2 (Praktische Arbeitsaufgabe):
Hier wird in 14 Stunden eine praktische Arbeitsaufgabe durchgef√ľhrt, nachgearbeitet und mit aufgabenspezifischen Unterlagen dokumentiert. Das begleitende Fachgespr√§ch dauert 20 Minuten. Die Durchf√ľhrung der Arbeitsaufgabe selbst dauert 6 Stunden. Die Bewertungsgrundlagen sind die Beobachtung der Durchf√ľhrung, die aufgabenspezifischen Unterlagen und das Fachgespr√§ch.

Weitere Informationen zum Rahmenlehrplan und den Pr√ľfungen findest Du hier.

Industriemechaniker: Gehalt während der Ausbildung

Wie hoch Dein Gehalt ist, h√§ngt davon ab, in welchem Bundesland und in welcher Branche du t√§tig bist. Auch die Tarifbindung spielt eine gro√üe Rolle: F√ľr viele Branchen gibt es Tarifvertr√§ge, die Dir schon w√§hrend der Ausbildung ein hohes Gehalt einbringen.

  • Im 1. Ausbildungsjahr: ca. 975 ‚ā¨ brutto
  • Im 2. Ausbildungsjahr: ca. 1045 ‚ā¨ brutto
  • Im 3. Ausbildungsjahr: ca. 1150 ‚ā¨ brutto
  • Im 4. Ausbildungsjahr: ca. 1270 ‚ā¨ brutto

Industriemechaniker: Gehalt nach der Ausbildung

Auch nach der Ausbildung wirken sich Faktoren wie das Bundesland, die Branche und die Tarifbindung auf Dein Gehalt als Industriemechaniker:in aus. Generell kannst Du mit einem Einstiegsgehalt von ca. 2900 ‚ā¨ brutto in der Metallindustrie rechnen. In der chemischen Industrie f√§llt das Gehalt zu Beginn noch etwas h√∂her aus. Mit zunehmender Berufserfahrung steigt auch Dein Gehalt weiter an.

Gehalt nach Bundesländern

Innerhalb Deutschlands gibt es beim Gehalt von Region zu Region vereinzelt Unterschiede. Im Schnitt verdienst Du als Industriemechanikerin in Deutschland 4064 ‚ā¨ brutto. Am besten verdienst Du in Hamburg und Bremen, am wenigsten in Brandenburg und Sachsen. Erkennbar ist aber auch, dass der Unterschied nicht so hoch ist wie bei anderen Berufen. Das h√§ngt auch mit der starken Tarifbindung in den √ľblichen Branchen ab. Es gibt aber einen deutlichen Bruch zwischen den alten und den neuen Bundesl√§ndern.

Grafik: Durchschnittliches Gehalt als Industriemechaniker in den Bundesländern in Deutschland

Quelle: Bundesagentur f√ľr Arbeit. (2022). Entgeltatlas ‚Äď Entgelt f√ľr den Beruf: Industriemechaniker/in. https://web.arbeitsagentur.de/entgeltatlas/beruf/29056

Wie kann man sich als Industriemechaniker weiterbilden?

Nach der Ausbildung ist vor der Weiterbildung. Um Dich als Industriemechaniker:in weiterzubilden, kannst Du verschiedene Wege einschlagen: die Anpassungsfortbildung, die Aufstiegsfortbildung oder ein Studium.

Anpassungsfortbildung

Anpassungsfortbildungen haben den Zweck, Dein Wissen auf dem aktuellen Stand zu halten und es weiter zu vertiefen. Häufig gibt es Anpassungsfortbildungen in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau sowie Produktions- und Fertigungstechnik.

Aufstiegsfortbildung

Willst Du die Karriereleiter erklimmen, ist eine Aufstiegsfortbildung ideal. Hier geht es darum, in F√ľhrungspositionen zu gelangen und den Aufgabenbereich erheblich zu erweitern. Das macht sich auch in Deinem Gehalt als Industriemechaniker:in bemerkbar. M√∂gliche Aufstiegsfortbildungen sind:

  • Industriemeister Metall
  • Industriemeister Elektrotechnik
  • Techniker ‚Äď Maschinentechnik
  • Technischer Fachwirt
  • Ausbilder

F√ľr den Meister musst Du einiges an Berufserfahrung mitbringen, darfst Dann aber auch die nachfolgende Generation der Azubis ausbilden.

Studium

An die Industriemechaniker Ausbildung kannst Du auch ein Studium anschließen, um dein theoretisches Wissen zu erweitern und Dich auf dem Arbeitsmarkt interessanter zu machen. Typische Studiengänge sind:

  • Maschinenbau B.Eng.
  • Produktionstechnik und Organisation B.Eng.
  • Produktionstechnik B.Sc.
  • Mechatronik B.Sc.

Fazit: Warum sollte man Industriemechaniker werden?

Gro√üe Maschinen begeistern Dich und Du magst es, sowohl k√∂rperlich als auch mit K√∂pfchen zu arbeiten? Dann ist der Beruf des Industriemechanikers geeignet f√ľr Dich. In Deutschland z√§hlt die Ausbildungen zu den beliebtesten ‚Äď und nicht umsonst. Als Industriemechaniker:in bist Du in vielen Branchen sehr gefragt und kannst schon w√§hrend der Ausbildung mit einem guten Gehalt rechnen.

Häufige Fragen

Als Industriemechaniker bist Du f√ľr die Anfertigung, Montage, Reparatur und Instandhaltung von Industriemaschinen und Anlagen zust√§ndig.
Ein Industriemechaniker verdient in Deutschland durchschnittlich 3950 ‚ā¨ brutto im Monat. Das Gehalt ist abh√§ngig von Faktoren wie dem Bundesland, der Branche und der Tarifbindung. Das Einstiegsgehalt betr√§gt ca. 2900 ‚ā¨ brutto.
Als Industriemechaniker bist Du sehr gefragt: Ohne dich funktioniert die Produktion nicht.
Du kannst Dich auf einen Bereich spezialisieren. Es gibt Feingerätebau, Maschinen- und Anlagebau, Produktionstechnik oder Instandhaltung. Daraus ergeben sich unterschiedliche Berufe. Du kannst in vielen Branchen arbeiten.
Die Ausbildung ist komplex und umfangreich, weshalb sie 3.5 Jahre dauert. Wie schwer sie empfunden wird, ist von Person zu Person unterschiedlich. Schließlich kommt das auf die persönlichen Interessen und Stärken an.