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Fluglotse: Ausbildung, Gehalt & Weiterbildung – Alle Infos!

  • Autor: Laura Lindemann
  • Aktualisiert: 05.03.2024
  • Lesedauer: 10 Minuten
Titelbild: Fluglotse werden

Factsheet

Empfohlener Schulabschluss: Abitur
Ausbildungsart: Schulische Ausbildung
Ausbildungsdauer: 2-3 Jahre
Einstiegsgehalt: ca. 7.000 €
Arbeitsorte: Flughafen, Deutsche Flugsicherung, Bundeswehr
Arbeitszeiten: Schichtarbeit- und Wochenendarbeit

Was macht ein Fluglotse?

Im Flugverkehr spielt Sicherheit eine riesige Rolle. Täglich reisen ca. 68.000 Passagiere allein über den größten Flughafen Deutschlands, den Frankfurter Airport – und wollen sicher ankommen. Um das zu gewährleisten, bist Du als Fluglotse gefragt. Rund um die Uhr im Einsatz gewähren Fluglotsen die Sicherheit aller Teilnehmer am Luftverkehr, indem sie alle Flüge von Start bis Landung überwachen und kontrollieren.

Die typischen Aufgaben eines Fluglotsen sind:

Flugzeuge navigieren

Als Fluglotste bist Du unter anderem für die Überwachung des Flugverkehrs zuständig. Du sorgst dafür, dass die Flugzeuge die notwendigen Abstände zueinander einhalten und in der richtigen Höhe fliegen. So verhinderst Du Staus sowie kritische Annäherungen oder sogar Zusammenstöße. Gleichzeitig gewährleistest Du mit deiner Navigation einen zügigen und geordneten Flugverkehr.

Dabei regelst Du nicht nur den geplanten Flugverkehr, sondern musst manchmal auch blitzschnell auf unerwartete Vorfälle reagieren können. Es kann passieren, dass ein Passagierflugzeug ungeplant landen muss – Du prüfst die Gegebenheiten auf dem Radar, schaust welche Flugzeuge in deinem Sektor dafür gegebenenfalls umgeleitet werden müssen und informierst den Kollegen, in dessen Sektor es zu Kollisionen kommen könnte. Dann hilfst Du dem Piloten bei der sicheren Navigation.

Außerdem bist Du stets in Kontakt mit dem Wetterdienst und bewertest mögliche Gefahrenlagen: Kann das Flugzeug starten / landen oder ist die Situation zu gefährlich (z.B. Gewitter, Vereisung). Ein plötzlicher Wetterumschwung bedeutet Stress für Dich, doch Du bewahrst stets einen kühlen Kopf und gibst dem Piloten entsprechende Anweisungen.

Start- und Landegenehmigungen erteilen

Viele kennen die Situation vom Flug in den Urlaub: Die geplante Abflugzeit ist längst um und man steht noch immer am Boden. Oder man hat seinen Zielflughafen fast erreicht und muss ihn dann für eine Viertelstunde in der Luft umkreisen. In diesen Fällen hat ein Fluglotse den Start oder die Landung verwehrt. Als Fluglotse überwachst Du alle An-, Ab- und Überflüge auf dem Radarbildschirm. Sei es ein verschobener Zeitplan, ein Unfall oder Unwetter – als Fluglotse bestimmst Du, welches Flugzeug wann und wo starten und landen darf.

Was ist der Unterschied zwischen Towerlotse und Centerlotse?

Je nachdem, ob Du Towerlotse oder Centerlotse bist, kommen andere Aufgaben auf Dich zu.

Als Towerlotse sitzt Du im Kontrollturm des Flughafens und hast direkten Sichtkontakt zu den Flugzeugen: Entweder mithilfe von Instrumenten oder mit dem bloßen Auge. Du bist unter anderem für das Erteilen der Start- und Landeerlaubnis zuständig, leitest Informationen zu Wind- und Wetterverhältnissen weiter und überwachst den Luftraum innerhalb des Flughafenbereichs. Der Bereich ist auf 18 Kilometer begrenzt.

Ist eine Flughöhe von 300 Metern erreicht, geht die Zuständigkeit an die Centerlotsen über. Diese sitzen in einem der vier Kontrollzentren in Deutschland und haben keinen direkten Sichtkontakt. Als Centerlotse überwachst Du An- und Abflüge über den Radarbildschirm und navigierst Lufträume, die nicht in unmittelbarer Nähe sind. Dabei prüfst Du Sicherheitsabstände und Flugrouten. Etwa 25 Minuten bevor ein Flugzeug Deinen Sektor erreicht, bekommst Du alle wichtigen Informationen.

Die Centerlotsen werden zusätzlich in Radar- und Koordinationslotsen unterteilt. Während Radarlotsen für den direkten Kontakt mit der Pilotin zuständig sind und konkrete Anweisungen erteilen, sind die Koordinationslotsen immer in Kontakt zu Nachbarsektoren.

Ausbildung zum Fluglotsen

Die Ausbildung zum Fluglotsen ist bundesweit einheitlich geregelt und verläuft schulisch. Sie findet bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) statt und gilt als eine der härtesten Ausbildungen. Übrigens handelt es sich bei der Ausbildung zum Fluglotsen nicht um eine staatlich anerkannte Ausbildung.

Die theoretische Ausbildung wird an der Flugsicherungsakademie durchgeführt und dauert 12 bis 15 Monate. Du erlernst die Grundlagen und bekommst diese sowohl theoretisch als auch in der Simulation vermittelt. Den praktischen Teil absolvierst Du in einer Kontrollzentrale oder einem der Kontrolltürme – je nachdem, ob du Center- oder Towerlotse werden willst. Das „Training on the job“ dauert nochmal 12 bis 18 Monate.

Während der praktischen Ausbildung erwirbst Du mehrere Lizenzen, die zeigen, dass Du dem Job gut gewachsen bist. Schaffst Du alle Prüfungen und hast die Lotsenlizenz erworben, darfst Du eigenständig als Fluglotse bzw. Fluglotsin arbeiten.

Welche Voraussetzungen muss man für die Ausbildung zum Fluglotsen erfüllen?

Wie schon erwähnt handelt es sich beim Beruf des Fluglotsen um einen äußerst anspruchsvollen Job. Nur die allerwenigsten der Bewerber und Bewerberinnen kommen überhaupt in Frage. Dementsprechend gibt es viele Voraussetzungen, die Du erfüllen musst oder solltest. Übrigens: Dein NC spielt bei der Bewerbung keine Rolle!

Voraussetzungen, die du erfüllen musst, sind:

  • Alter: 18-24 Jahre
  • Allgemeine Hochschulreife – das Fachabitur ist hier nicht ausreichend!
  • Sehr gute Englischkenntnisse (C1)
  • Einwandfreies Hör- und Sehvermögen (100%)
  • Nachweis über medizinische, geistige und psychologische Eignung
  • Bestätigung über Zuverlässigkeit von der Luftsicherheitsbehörde

Du erfüllst all diese Voraussetzungen? Sehr gut! Doch das sind nur die Grundvoraussetzungen, die Du zwingend mitbringen musst. Zusätzlich sind weitere Fähigkeiten und Soft Skills gefragt:

  • Räumliches Vorstellungsvermögen
  • Sehr gutes Zahlenverständnis
  • Stressresistenz und Belastbarkeit
  • Logisches Denken
  • Teamfähigkeit
  • Kommunikationsvermögen
  • Verantwortungs- und Gefahrenbewusstsein

Die Voraussetzungen und Erwartungen an die Auszubildenden sind sehr hoch, schließlich hängt von Fluglotsen die Sicherheit und somit auch das Leben zahlreicher Menschen ab. Dementsprechend musst Du Dich als Bewerber auf ein hartes Auswahlverfahren vorbereiten, das mehrere Stufen beinhaltet. Nach einem Online-Test musst Du in einem mehrtägigen Assessment-Center weitere Tests und Gespräche absolvieren. Abschließend bestimmt der medizinische Eignungstest, ob Du für die Ausbildung zugelassen wirst.

Wie läuft die Ausbildung zum Fluglotsen ab?

Charakteristisch für eine duale Ausbildung ist der stetige Wechsel aus Theorie und Praxis. Als Azubi bist Du direkt in den Ausbildungsbetrieb integriert und arbeitest dort ganz normal. An manchen Tagen besuchst Du die Berufsschule, um das theoretische Hintergrundwissen zu lernen.

Theoretische Ausbildung

In den ersten vier Monaten Deiner Ausbildung zum Fluglotsen bekommst du die theoretischen Grundlagen vermittelt, die Du für Deine Arbeit brauchst. Hierfür absolvierst Du einige Kurse und Lizenzen, die Du bestehen musst.

Dabei werden unter anderem folgende Bereiche abgedeckt:

  • Flugzeugtypenkunde
  • Meteorologie
  • Navigation
  • Luftrecht
  • Luftfahrtenglisch
  • Sprechfunkverfahren

In den nachfolgenden acht bis zehn Monaten machst Du Simulationsübungen, die Dich auf die Arbeit im Kontrollzentrum oder Kontrollturm vorbereiten.

Praktische Ausbildung

Mit Beginn der betrieblichen Ausbildung wird es ernst: Du betreust – natürlich unter Aufsicht erfahrener Fluglotsen – Deinen eigenen Luftraum und kannst Deine Fähigkeiten aus dem Simulator im echten Leben unter Beweis stellen. Unter Aufsicht Deines Coaches übernimmst Du immer schwerere Aufgaben, z.B.:

  • Koordination von Flugzeugen
  • Kommunikation mit den Kollegen im Tower/Center
  • Anweisungen an Piloten geben

Auch Inhalte wie die örtliche Luftraum-Ordnung, die technische Ausrüstung und die Organisation der Flugsicherungsstelle sind in diesem Teil der Ausbildung von Bedeutung.

Fluglotse Gehalt während der Ausbildung

Die Härte der Ausbildung macht sich auch in Deinem Gehalt bemerkbar. Die Ausbildung zum Fluglotsen ist am besten bezahlt. Während der Theoriephase liegt dein Gehalt bei etwa 1.250 Euro brutto, mit Beginn der Praxisphase entwickelt sich auch das Gehalt dramatisch nach oben: ca. 4.000 Euro brutto. Mit zunehmendem Ausbildungsfortschritt und abhängig vom Einsatzort kannst Du bis zum Ende Deiner Ausbildung bis zu 5.900 Euro brutto verdienen.

Fluglotse Gehalt nach der Ausbildung

Schon während der Ausbildung darfst Du dich als Fluglotse über ein üppiges Gehalt freuen. Als ausgelernte Fluglotsin ist Dein Gehalt nochmal um einiges höher. Das Einstiegsgehalt liegt bei ca. 7000 Euro brutto. Je nach Qualifikation und Berufserfahrung kann sich Dein Gehalt auf bis zu 10.000 Euro brutto erhöhen. Für Wochenend-, Feiertags- und Nachtarbeit erhältst Du ergänzende Zuschläge.

Nicht zuletzt hängt Dein Gehalt als Fluglotse auch vom Flugverkehrsaufkommen ab: An großen Flughäfen wirst Du in der Regel besser bezahlt als an kleineren.

Gehaltsunterschiede in den Bundesländern

Beim Fluglotsen-Gehalt kommt es zu Unterschieden in den einzelnen Bundesländern. Durchschnittlich verdienst Du als Fluglotse in Deutschland 9.034 € brutto im Monat. Am höchsten ist Dein Verdienst in Baden-Württemberg, am wenigsten verdienst Du in Mecklenburg-Vorpommern.

Grafik: Durchschnittliches Gehalt als Fluglotse in den Bundesländern in Deutschland

Quelle: GEHALT.de. (2023). https://www.gehalt.de/beruf/fluglotse-fluglotsin

Wie kann ich mich als Fluglotse weiterbilden?

Als Fluglotse trägst Du viel Verantwortung und arbeitest überwiegend mit technischen Systemen. Daher ist es besonders wichtig, dass Du stets auf dem aktuellen Stand bist. Die DFS unterstützt Dich bei der Weiterbildung in Form von Seminaren oder Lehrgängen zu unterschiedlichen Themen.

Auch eine Aufstiegsweiterbildung kann für Dich in Frage kommen. So kannst Du zum Beispiel Ausbilder, Teamleiter oder Fachlehrer werden.

Eine weitere Möglichkeit der Weiterbildung ist ein Studium. Als Fluglotsin wären zum Beispiel folgende Studiengänge interessant:

  • Luft- und Raumfahrttechnik B.Eng.
  • Personenverkehrsmanagement B.A.
  • Verkehrsbetriebswirtschaft und Personenverkehr B.A.

Fazit: Warum sollte man Fluglotse werden?

Der Beruf des Fluglotsen ist äußerst anspruchsvoll. Möchtest Du diesen Weg einschlagen, musst Du für die Zulassung zur Ausbildung zum Fluglotsen viele Anforderungen erfüllen und einige Tests und Bewerbungsphasen durchlaufen. Doch die harte Arbeit wird entlohnt: Mit einem sehr hohen Gehalt und einem Beruf, der sehr erfüllend sein kann: Schließlich bist Du dafür verantwortlich, dass Flugreisende Tag für Tag sicher an ihrem Ziel ankommen.

Häufige Fragen

Nach der Ausbildung verdient ein Fluglotse ca. 7000-10000 Euro brutto pro Monat. Abhängig ist das Gehalt vom Arbeitsort, der Qualifikation und der Berufserfahrung.
Zulassungsvoraussetzung für die Ausbildung ist das Abitur, ein Fachabitur reicht nicht aus. Aber: Der Notendurchschnitt spielt bei der Bewerbung keine Rolle. Du musst aber vor allem sehr gute Englischkenntnisse nachweisen können.
Bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz darfst Du maximal 24 Jahre alt sein. Mit 35 kannst Du nicht mehr Fluglotse werden. Das Mindestalter liegt bei 18 Jahren.
Da der Job des Fluglotsen extrem anspruchsvoll ist und Du körperlich und geistig mental fit sein musst, ist das Rentenalter entsprechend gering. Die meisten Fluglotsen gehen mit 55 in Rente.