Skip to main content

Industriekaufmann: Ausbildung, Aufgaben & Gehalt

  • Autor: Laura Lindemann
  • Aktualisiert: 07.11.2023
  • Lesedauer: 9 Minuten
Titelbild: Industriekaufmann werden

Factsheet

Empfohlener Schulabschluss: Mittlere Reife
Ausbildungsart: Duale Ausbildung
Dauer der Ausbildung: 3 Jahre
Einstiegsgehalt: ca. 2500 €
Arbeitsorte: Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche
Arbeitszeiten: Gleitzeit

Was macht ein Industriekaufmann?

Als Industriekaufmann bist Du der Allrounder fĂŒr die Industrie – und zwar in allen Abteilungen. Ob Rechnungswesen, Vertrieb oder Produktion, deine kaufmĂ€nnischen FĂ€higkeiten sind fast ĂŒberall gefragt. Zu Deinen Aufgaben zĂ€hlen zum Beispiel:

  • Rechnungswesen: Du erstellst und kontrollierst Rechnungen, buchst GeschĂ€ftsvorgĂ€nge, berechnest kosten und fĂŒhrst die FinanzbĂŒcher.
  • Materialwirtschaft und Einkauf: Du planst und optimierst Produktionsprozesse, kontrollierst und befĂŒllst den Warenbestand, kontrollierst Lieferungen oder holst externe Angebote ein.
  • Personalwesen: Du ermittelst den Personalbedarf, erstellst EinsatzplĂ€ne und ArbeitsvertrĂ€ge, verwaltest die Personalakten und wĂ€hlst Bewerber aus.
  • Marketing: Du fĂŒhrst Marktanalysen durch und entwickelst Werbekampagnen.
  • Vertrieb: Du bist fĂŒr die Neukundengewinnung verantwortlich, berĂ€tst Kunden und schreibst Angebote und Rechnungen.

Welche Aufgaben Dich erwarten, kommt meist auf die Branche und Deinen Betrieb an.

Wo kann ich als Industriekaufmann arbeiten?

Als Industriekaufmann wirst Du in fast jeder Branche gebraucht, wodurch sich fĂŒr Dich Ă€ußerst viele Einsatzmöglichkeiten ergeben – abhĂ€ngig auch von Deinen persönlichen Interessen. So kannst Du beispielsweise im Handel, der Fahrzeugindustrie oder der Textilindustrie arbeiten.

Ausbildung zum Industriekaufmann

Wenn Du Industriekaufmann werden willst, musst Du eine duale Ausbildung absolvieren. Das heißt, dass Du im Wechsel in der Berufsschule bist und in Deinem Ausbildungsbetrieb arbeitest. In der Schule wird Dir im Blockunterricht oder an festen Tagen in der Woche das nötige theoretische Wissen vermittelt. Im Betrieb kannst Du Deine Kenntnisse und FĂ€higkeiten dann in der Praxis umsetzen.

Als Ausbildungsnachweis musst Du ein schriftliches Berichtheft fĂŒhren, das regelmĂ€ĂŸig von Deinem Ausbilder kontrolliert wird. In diesem Heft notierst Du Deine Lerninhalte und Aufgaben.

Die Ausbildung zum Industriekaufmann dauert 3 Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Ausbildungsdauer auch auf 2 oder 2,5 Jahre verkĂŒrzt werden. In der Mitte Deines zweiten Ausbildungsjahres musst Du eine schriftliche ZwischenprĂŒfung ablegen. Am Ende der Ausbildung erwarten Dich schriftliche und mĂŒndliche PrĂŒfungen. Hast Du alles bestanden, bist Du staatlich anerkannter Industriekaufmann bzw. Industriekauffrau.

Welche Voraussetzungen muss ich fĂŒr die Industriekaufmann Ausbildung erfĂŒllen?

  • Kein Mindestschulabschluss
  • Gute Noten in Deutsch, Mathematik und Englisch
  • SorgfĂ€ltige Arbeitsweise
  • Analytische FĂ€higkeiten
  • Neugierde und Lernbereitschaft
  • KommunikationsstĂ€rke

Generell kannst Du die Ausbildung mit jedem Schulabschluss beginnen. Die meisten Ausbildungsbetriebe fordern aber mindestens die mittlere Reife oder das (Fach-)Abitur. Gute Noten in Mathe, Deutsch und Englisch sind von Vorteil. Wichtig ist aber vor allem, dass Du auch persönlich und mit Deinen Soft Skills ĂŒberzeugst: Als Industriekaufmann ist eine sorgfĂ€ltige Arbeitsweise besonders wichtig. Außerdem solltest Du analytische FĂ€higkeiten mitbringen und offen dafĂŒr sein, Neues zu lernen.

Wie lÀuft die Industriekaufmann-Ausbildung ab?

Der stĂ€ndige Wechsel aus Theorie und Praxis ist in der dualen Ausbildung ĂŒblich. Als Auszubildender bist Du von Anfang an fest in den Betrieb integriert und ĂŒbernimmst mit der Zeit mehr und anspruchsvollere Aufgaben. In der Berufsschule lernst Du alles, was Du fĂŒr das spĂ€tere Berufsleben brauchst.
WĂ€hrend der Ausbildung kannst Du Dich auf einen Schwerpunkt spezialisieren. Dort erwarten Dich weitere wichtige Kenntnisse. Dir stehen folgende Spezialisierungen zur Auswahl:

  1. Vertrieb
  2. Lagerlogistik
  3. Personalmarketing
  4. Produktentwicklung
  5. Auslandseinsatz
  6. Projektabrechnung

Theorieunterricht

Allgemeinbildende FÀcher wie Deutsch, Englisch und Sozialkunde sind immer Teil einer Berufsausbildung. ZusÀtzlich erwirbst Du wichtige Kenntnisse in den berufsspezifischen FÀchern. Relevante Gebiete sind zum Beispiel:

  • Materialwirtschaft
  • Finanz- und Rechnungswesen
  • Betriebswirtschaftliche GeschĂ€ftsprozesse
  • KaufmĂ€nnische Steuerung und Controlling
  • Logistik und Lagerhaltung

Praxis

Deine Aufgaben in der Praxis hÀngen ganz von Deinem Ausbildungsbetrieb ab. Je nachdem, in welcher Branche Du tÀtig bist, erwarten Dich unterschiedliche TÀtigkeiten. Du lernst zum Beispiel, wie Du den Personalbedarf berechnest, wie Du Kunden berÀtst und wie der Zahlungsverkehr abgewickelt wird.

ZwischenprĂŒfung

Die ZwischenprĂŒfung findet in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt. FĂŒr die schriftlichen Aufgaben hast Du insgesamt 90 Minuten Zeit. Du wirst in folgenden Bereichen geprĂŒft:

  1. Beschaffung und Bevorratung
  2. Produkte und Dienstleistungen
  3. Kosten- und Leistungsrechnung

AbschlussprĂŒfung

Die AbschlussprĂŒfung legst Du am Ende der Industriekaufmann Ausbildung ab. Sie besteht aus drei schriftlichen und einer mĂŒndlichen PrĂŒfung.

Schriftliche PrĂŒfung

Die schriftliche PrĂŒfung zĂ€hlt 70 % und umfasst drei PrĂŒfungsbereiche:

  1. GeschĂ€ftsprozesse (40 %): FĂŒr diese PrĂŒfung hast Du höchstens 180 Minuten Zeit. Du bearbeitest Situationsaufgaben oder Fallbeispiele, die auf Prozesse und komplexe Sachverhalte ausgerichtet sind. Dabei sollst Du zeigen, dass Du GeschĂ€ftsprozesse analysieren sowie ergebnis- und kundenorientierte Problemlösungen entwickeln kannst. Es kommen vor allem die Gebiete Marketing und Absatz, Beschaffung und Bevorratung, Personal und Leistungserstellung fĂŒr die PrĂŒfung infrage.
  2. KaufmĂ€nnische Steuerung und Kontrolle (20 %): In höchstens 90 Minuten bearbeitest Du vier praxisbezogene Aufgaben aus dem Bereich Leistungsabrechnung und unter BerĂŒcksichtigung des Controllings. Du musst nachweisen, dass Du Kosten erfassen, die betrieblichen Geld- und Wertströme analysieren und betriebswirtschaftliche Schlussfolgerungen daraus ableiten kannst.
  3. Wirtschafts- und Sozialkunde (10 %): FĂŒr die schriftlichen Aufgaben hast Du maximal 60 Minuten Zeit. Du sollst allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche ZusammenhĂ€nge der Berufs- und Arbeitswelt darstellen und beurteilen.
MĂŒndliche PrĂŒfung

Die mĂŒndliche PrĂŒfung wird mit 30 % gewichtet und findet im Bereich Einsatzgebiet statt. Du hĂ€ltst eine PrĂ€sentation und fĂŒhrst anschließend ein FachgesprĂ€ch ĂŒber eine selbststĂ€ndig durchgefĂŒhrte Fachaufgabe. Die PrĂ€sentation und das FachgesprĂ€ch sollen zusammen höchstens 30 Minuten dauern.
FĂŒr die PrĂŒfung erstellst Du einen höchstens 5-seitigen Report ĂŒber eine Fachaufgabe im Einsatzgebiet. Dieser ist die Basis fĂŒr Deine PrĂ€sentation und das FachgesprĂ€ch. In der PrĂ€sentation sollst Du zeigen, dass Du Sachverhalte, AblĂ€ufe und Ergebnisse der bearbeiteten Fachaufgabe erlĂ€utern und mit praxisĂŒblichen Mitteln darstellen kannst. Im GesprĂ€ch geht es darum, dass Du die Fachaufgabe in GesamtzusammenhĂ€nge einordnen, HintergrĂŒnde erlĂ€utern und Ergebnisse bewerten kannst.

Industriekaufmann: Gehalt wÀhrend der Ausbildung

Dein Industriekaufmann-Gehalt wĂ€hrend der Ausbildung hĂ€ngt von unterschiedlichen Faktoren ab. Einerseits wirken sich Dein Wohnort und die BetriebsgrĂ¶ĂŸe auf Deinen Verdienst aus. Als Industriekaufmann kannst Du außerdem in fast allen Branchen eingesetzt werden, wodurch es zu starken Schwankungen beim Gehalt kommen kann.

Im Elektrohandwerk oder der Metall- und Elektroindustrie gelten meistens TarifvertrĂ€ge, die Dir ein höheres Gehalt einbringen können. Aber: Nicht alle Unternehmen sind tariflich gebunden. Das heißt, dass Du dein Azubi-Gehalt wahrscheinlich selbst verhandeln musst. Die TarifgehĂ€lter können hier ein guter Anhaltspunkt sein.
Grob kannst Du wÀhrend der Ausbildung zum Industriekaufmann mit folgenden GehÀltern rechnen:

  • Im 1. Ausbildungsjahr: ca. 800-1100 €
  • Im 2. Ausbildungsjahr: ca. 900-1200 €
  • Im 3. Ausbildungsjahr: ca. 950-1350 €

Industriekaufmann: Gehalt nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung erwartet Dich ein deutlicher Gehaltssprung. Wie hoch Dein Gehalt letztendlich sein wird, hĂ€ngt auch jetzt von unterschiedlichen EinflĂŒssen ab: Deine Qualifikation und Berufserfahrung wirken sich ebenso aus wie Wohnort, Branche, eine mögliche Tarifbindung und die UnternehmensgrĂ¶ĂŸe. Dein Einstiegsgehalt als Industriekaufmann wird ungefĂ€hr bei 2500 € brutto im Monat liegen.

Gehaltsunterschiede in den BundeslÀndern

Die Gehaltsspanne ist in Deutschland recht unterschiedlich. Durchschnittlich verdienst Du als Industriekaufmann 4.021 € brutto im Monat. Am besten bezahlt wirst Du in Berlin, am wenigsten Gehalt bekommst Du in ThĂŒringen.

Grafik: Durchschnittliches Gehalt als Industriekaufmann in den BundeslÀndern in Deutschland

Quelle: Bundesagentur fĂŒr Arbeit. (2022). Entgeltatlas – Entgelt fĂŒr den Beruf: Industriekaufmann/-frau. https://web.arbeitsagentur.de/entgeltatlas/beruf/7964

Wie kann ich mich als Industriekaufmann weiterbilden?

Weiterbildungen sind eine gute Gelegenheit, wenn Du Dich fachlich weiterentwickeln oder Deine Chancen auf eine Position mit mehr Verantwortung – und mehr Gehalt – erhöhen willst. GrundsĂ€tzlich wird zwischen Anpassungs- und Aufstiegsfortbildungen unterschieden. Auch ein Studium ist eine Weiterbildungsmöglichkeit.

Anpassungsfortbildung

In LehrgĂ€ngen kannst Du dein Fachwissen aktuell halten und erweitern. Als Industriekaufmann sind zum Beispiel die Bereiche Auftragsabwicklung, Betriebswirtschaft, BĂŒrotechnik oder Korrespondenz interessant.

Aufstiegsfortbildung

Willst Du Karriere machen, sind Aufstiegsfortbildungen die richtige Wahl, sobald Du ĂŒber etwas Berufserfahrung verfĂŒgst. Es eignen sich zum Beispiel:

  • Fachwirt – Industrie
  • Fachkaufmann – BĂŒromanagement / Marketing / Personal / Organisation
  • Betriebswirt – Absatz/Marketing
  • Betriebswirt – Rechnungswesen
  • Betriebswirt – allgemeine Betriebswirtschaft

Studium

Auch ein Studium kannst Du an Deine Berufsausbildung anschließen. Am einfachsten ist es, wenn Du das (Fach-)Abitur in der Tasche hast. Aber auch mit der mittleren Reife und Deiner Berufsausbildung kannst Du unter UmstĂ€nden ein Studium beginnen. Passende StudiengĂ€nge sind zum Beispiel:

  • Wirtschaftswissenschaften
  • Betriebswirtschaftslehre (BWL)
  • Industriebetriebswirtschaft
  • Personalmanagement

Fazit: Warum soll ich Industriekaufmann werden?

Der Beruf des Industriekaufmanns bietet eine breite Palette von Aufgaben in nahezu jeder Branche. Industriekaufleute fungieren als vielseitige Allrounder und sind in nahezu jeder Abteilung eines Unternehmens gefragt. Dadurch hast Du Aussichten auf einen sicheren Job mit einem attraktiven Gehalt. Deine Aufgaben reichen von Rechnungswesen ĂŒber Materialwirtschaft und Einkauf bis hin zu Marketing und Vertrieb. AbhĂ€ngig von Deinen persönlichen Interessen und BranchenprĂ€ferenzen stehen dir die TĂŒren in Bereichen wie Handel, Fahrzeugindustrie oder Textilindustrie offen.

HĂ€ufige Fragen

Ein Industriekaufmann ist fĂŒr kaufmĂ€nnische Aufgaben in Unternehmen verantwortlich. Das umfasst Bereiche wie Rechnungswesen, Einkauf, Materialwirtschaft, Marketing, Personalwesen und Vertrieb. Je nach Branche und Betrieb können die genauen Aufgaben variieren.
Das Gehalt eines Industriekaufmanns hĂ€ngt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich Standort, Branche und UnternehmensgrĂ¶ĂŸe. WĂ€hrend der Ausbildung kann das Gehalt variieren, aber nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt in Deutschland durchschnittlich bei etwa 2500 € brutto pro Monat.
Das Gehalt eines Industriekaufmanns kann als angemessen betrachtet werden, besonders angesichts der breiten Palette von Branchen und Unternehmen, in denen sie arbeiten können. Es gibt auch Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung und Gehaltssteigerung.
Industriekaufleute sollten gute Kenntnisse in den Bereichen Rechnungswesen, Einkauf, Materialwirtschaft, Marketing, Personalwesen und Vertrieb haben. DarĂŒber hinaus sind analytische FĂ€higkeiten, eine sorgfĂ€ltige Arbeitsweise und die Bereitschaft, Neues zu lernen, wichtige Kompetenzen fĂŒr diesen Beruf.