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Industriekaufmann: Ausbildung, Aufgaben & Gehalt

  • Autor: Laura Lindemann
  • Aktualisiert: 04.03.2024
  • Lesedauer: 9 Minuten
Titelbild: Industriekaufmann werden

Factsheet

Empfohlener Schulabschluss: Mittlere Reife
Ausbildungsart: Duale Ausbildung
Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Einstiegsgehalt: ca. 2.500 €
Arbeitsorte: Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche
Arbeitszeiten: Gleitzeit

Was macht ein Industriekaufmann?

Als Industriekaufmann bist Du der Allrounder für die Industrie – und zwar in allen Abteilungen. Ob Rechnungswesen, Vertrieb oder Produktion, deine kaufmännischen Fähigkeiten sind fast überall gefragt. Zu Deinen Aufgaben zählen zum Beispiel:

  • Rechnungswesen: Du erstellst und kontrollierst Rechnungen, buchst Geschäftsvorgänge, berechnest kosten und führst die Finanzbücher.
  • Materialwirtschaft und Einkauf: Du planst und optimierst Produktionsprozesse, kontrollierst und befüllst den Warenbestand, kontrollierst Lieferungen oder holst externe Angebote ein.
  • Personalwesen: Du ermittelst den Personalbedarf, erstellst Einsatzpläne und Arbeitsverträge, verwaltest die Personalakten und wählst Bewerber aus.
  • Marketing: Du führst Marktanalysen durch und entwickelst Werbekampagnen.
  • Vertrieb: Du bist für die Neukundengewinnung verantwortlich, berätst Kunden und schreibst Angebote und Rechnungen.

Welche Aufgaben Dich erwarten, kommt meist auf die Branche und Deinen Betrieb an.

Wo kann ich als Industriekaufmann arbeiten?

Als Industriekaufmann wirst Du in fast jeder Branche gebraucht, wodurch sich für Dich äußerst viele Einsatzmöglichkeiten ergeben – abhängig auch von Deinen persönlichen Interessen. So kannst Du beispielsweise im Handel, der Fahrzeugindustrie oder der Textilindustrie arbeiten.

Ausbildung zum Industriekaufmann

Wenn Du Industriekaufmann werden willst, musst Du eine duale Ausbildung absolvieren. Das heißt, dass Du im Wechsel in der Berufsschule bist und in Deinem Ausbildungsbetrieb arbeitest. In der Schule wird Dir im Blockunterricht oder an festen Tagen in der Woche das nötige theoretische Wissen vermittelt. Im Betrieb kannst Du Deine Kenntnisse und Fähigkeiten dann in der Praxis umsetzen.

Als Ausbildungsnachweis musst Du ein schriftliches Berichtheft führen, das regelmäßig von Deinem Ausbilder kontrolliert wird. In diesem Heft notierst Du Deine Lerninhalte und Aufgaben.

Die Ausbildung zum Industriekaufmann dauert 3 Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Ausbildungsdauer auch auf 2 oder 2,5 Jahre verkürzt werden. In der Mitte Deines zweiten Ausbildungsjahres musst Du eine schriftliche Zwischenprüfung ablegen. Am Ende der Ausbildung erwarten Dich schriftliche und mündliche Prüfungen. Hast Du alles bestanden, bist Du staatlich anerkannter Industriekaufmann bzw. Industriekauffrau.

Welche Voraussetzungen muss ich für die Industriekaufmann Ausbildung erfüllen?

  • Kein Mindestschulabschluss
  • Gute Noten in Deutsch, Mathematik und Englisch
  • Sorgfältige Arbeitsweise
  • Analytische Fähigkeiten
  • Neugierde und Lernbereitschaft
  • Kommunikationsstärke

Generell kannst Du die Ausbildung mit jedem Schulabschluss beginnen. Die meisten Ausbildungsbetriebe fordern aber mindestens die mittlere Reife oder das (Fach-)Abitur. Gute Noten in Mathe, Deutsch und Englisch sind von Vorteil. Wichtig ist aber vor allem, dass Du auch persönlich und mit Deinen Soft Skills überzeugst: Als Industriekaufmann ist eine sorgfältige Arbeitsweise besonders wichtig. Außerdem solltest Du analytische Fähigkeiten mitbringen und offen dafür sein, Neues zu lernen.

Wie läuft die Industriekaufmann-Ausbildung ab?

Der ständige Wechsel aus Theorie und Praxis ist in der dualen Ausbildung üblich. Als Auszubildender bist Du von Anfang an fest in den Betrieb integriert und übernimmst mit der Zeit mehr und anspruchsvollere Aufgaben. In der Berufsschule lernst Du alles, was Du für das spätere Berufsleben brauchst.
Während der Ausbildung kannst Du Dich auf einen Schwerpunkt spezialisieren. Dort erwarten Dich weitere wichtige Kenntnisse. Dir stehen folgende Spezialisierungen zur Auswahl:

  1. Vertrieb
  2. Lagerlogistik
  3. Personalmarketing
  4. Produktentwicklung
  5. Auslandseinsatz
  6. Projektabrechnung

Theorieunterricht

Allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Englisch und Sozialkunde sind immer Teil einer Berufsausbildung. Zusätzlich erwirbst Du wichtige Kenntnisse in den berufsspezifischen Fächern. Relevante Gebiete sind zum Beispiel:

  • Materialwirtschaft
  • Finanz- und Rechnungswesen
  • Betriebswirtschaftliche Geschäftsprozesse
  • Kaufmännische Steuerung und Controlling
  • Logistik und Lagerhaltung

Praxis

Deine Aufgaben in der Praxis hängen ganz von Deinem Ausbildungsbetrieb ab. Je nachdem, in welcher Branche Du tätig bist, erwarten Dich unterschiedliche Tätigkeiten. Du lernst zum Beispiel, wie Du den Personalbedarf berechnest, wie Du Kunden berätst und wie der Zahlungsverkehr abgewickelt wird.

Zwischenprüfung

Die Zwischenprüfung findet in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt. Für die schriftlichen Aufgaben hast Du insgesamt 90 Minuten Zeit. Du wirst in folgenden Bereichen geprüft:

  1. Beschaffung und Bevorratung
  2. Produkte und Dienstleistungen
  3. Kosten- und Leistungsrechnung

Abschlussprüfung

Die Abschlussprüfung legst Du am Ende der Industriekaufmann Ausbildung ab. Sie besteht aus drei schriftlichen und einer mündlichen Prüfung.

Schriftliche Prüfung

Die schriftliche Prüfung zählt 70 % und umfasst drei Prüfungsbereiche:

  1. Geschäftsprozesse (40 %): Für diese Prüfung hast Du höchstens 180 Minuten Zeit. Du bearbeitest Situationsaufgaben oder Fallbeispiele, die auf Prozesse und komplexe Sachverhalte ausgerichtet sind. Dabei sollst Du zeigen, dass Du Geschäftsprozesse analysieren sowie ergebnis- und kundenorientierte Problemlösungen entwickeln kannst. Es kommen vor allem die Gebiete Marketing und Absatz, Beschaffung und Bevorratung, Personal und Leistungserstellung für die Prüfung infrage.
  2. Kaufmännische Steuerung und Kontrolle (20 %): In höchstens 90 Minuten bearbeitest Du vier praxisbezogene Aufgaben aus dem Bereich Leistungsabrechnung und unter Berücksichtigung des Controllings. Du musst nachweisen, dass Du Kosten erfassen, die betrieblichen Geld- und Wertströme analysieren und betriebswirtschaftliche Schlussfolgerungen daraus ableiten kannst.
  3. Wirtschafts- und Sozialkunde (10 %): Für die schriftlichen Aufgaben hast Du maximal 60 Minuten Zeit. Du sollst allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge der Berufs- und Arbeitswelt darstellen und beurteilen.
Mündliche Prüfung

Die mündliche Prüfung wird mit 30 % gewichtet und findet im Bereich Einsatzgebiet statt. Du hältst eine Präsentation und führst anschließend ein Fachgespräch über eine selbstständig durchgeführte Fachaufgabe. Die Präsentation und das Fachgespräch sollen zusammen höchstens 30 Minuten dauern.
Für die Prüfung erstellst Du einen höchstens 5-seitigen Report über eine Fachaufgabe im Einsatzgebiet. Dieser ist die Basis für Deine Präsentation und das Fachgespräch. In der Präsentation sollst Du zeigen, dass Du Sachverhalte, Abläufe und Ergebnisse der bearbeiteten Fachaufgabe erläutern und mit praxisüblichen Mitteln darstellen kannst. Im Gespräch geht es darum, dass Du die Fachaufgabe in Gesamtzusammenhänge einordnen, Hintergründe erläutern und Ergebnisse bewerten kannst.

Industriekaufmann: Gehalt während der Ausbildung

Dein Industriekaufmann-Gehalt während der Ausbildung hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Einerseits wirken sich Dein Wohnort und die Betriebsgröße auf Deinen Verdienst aus. Als Industriekaufmann kannst Du außerdem in fast allen Branchen eingesetzt werden, wodurch es zu starken Schwankungen beim Gehalt kommen kann.

Im Elektrohandwerk oder der Metall- und Elektroindustrie gelten meistens Tarifverträge, die Dir ein höheres Gehalt einbringen können. Aber: Nicht alle Unternehmen sind tariflich gebunden. Das heißt, dass Du dein Azubi-Gehalt wahrscheinlich selbst verhandeln musst. Die Tarifgehälter können hier ein guter Anhaltspunkt sein.
Grob kannst Du während der Ausbildung zum Industriekaufmann mit folgenden Gehältern rechnen:

  • Im 1. Ausbildungsjahr: ca. 800-1100 €
  • Im 2. Ausbildungsjahr: ca. 900-1200 €
  • Im 3. Ausbildungsjahr: ca. 950-1350 €

Industriekaufmann: Gehalt nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung erwartet Dich ein deutlicher Gehaltssprung. Wie hoch Dein Gehalt letztendlich sein wird, hängt auch jetzt von unterschiedlichen Einflüssen ab: Deine Qualifikation und Berufserfahrung wirken sich ebenso aus wie Wohnort, Branche, eine mögliche Tarifbindung und die Unternehmensgröße. Dein Einstiegsgehalt als Industriekaufmann wird ungefähr bei 2500 € brutto im Monat liegen.

Gehaltsunterschiede in den Bundesländern

Die Gehaltsspanne ist in Deutschland recht unterschiedlich. Durchschnittlich verdienst Du als Industriekaufmann 4.021 € brutto im Monat. Am besten bezahlt wirst Du in Berlin, am wenigsten Gehalt bekommst Du in Thüringen.

Grafik: Durchschnittliches Gehalt als Industriekaufmann in den Bundesländern in Deutschland

Quelle: Bundesagentur für Arbeit. (2022). Entgeltatlas – Entgelt für den Beruf: Industriekaufmann/-frau. https://web.arbeitsagentur.de/entgeltatlas/beruf/7964

Wie kann ich mich als Industriekaufmann weiterbilden?

Weiterbildungen sind eine gute Gelegenheit, wenn Du Dich fachlich weiterentwickeln oder Deine Chancen auf eine Position mit mehr Verantwortung – und mehr Gehalt – erhöhen willst. Grundsätzlich wird zwischen Anpassungs- und Aufstiegsfortbildungen unterschieden. Auch ein Studium ist eine Weiterbildungsmöglichkeit.

Anpassungsfortbildung

In Lehrgängen kannst Du dein Fachwissen aktuell halten und erweitern. Als Industriekaufmann sind zum Beispiel die Bereiche Auftragsabwicklung, Betriebswirtschaft, Bürotechnik oder Korrespondenz interessant.

Aufstiegsfortbildung

Willst Du Karriere machen, sind Aufstiegsfortbildungen die richtige Wahl, sobald Du über etwas Berufserfahrung verfügst. Es eignen sich zum Beispiel:

  • Fachwirt – Industrie
  • Fachkaufmann – Büromanagement / Marketing / Personal / Organisation
  • Betriebswirt – Absatz/Marketing
  • Betriebswirt – Rechnungswesen
  • Betriebswirt – allgemeine Betriebswirtschaft

Studium

Auch ein Studium kannst Du an Deine Berufsausbildung anschließen. Am einfachsten ist es, wenn Du das (Fach-)Abitur in der Tasche hast. Aber auch mit der mittleren Reife und Deiner Berufsausbildung kannst Du unter Umständen ein Studium beginnen. Passende Studiengänge sind zum Beispiel:

  • Wirtschaftswissenschaften
  • Betriebswirtschaftslehre (BWL)
  • Industriebetriebswirtschaft
  • Personalmanagement

Fazit: Warum soll ich Industriekaufmann werden?

Der Beruf des Industriekaufmanns bietet eine breite Palette von Aufgaben in nahezu jeder Branche. Industriekaufleute fungieren als vielseitige Allrounder und sind in nahezu jeder Abteilung eines Unternehmens gefragt. Dadurch hast Du Aussichten auf einen sicheren Job mit einem attraktiven Gehalt. Deine Aufgaben reichen von Rechnungswesen über Materialwirtschaft und Einkauf bis hin zu Marketing und Vertrieb. Abhängig von Deinen persönlichen Interessen und Branchenpräferenzen stehen dir die Türen in Bereichen wie Handel, Fahrzeugindustrie oder Textilindustrie offen.

Häufige Fragen

Ein Industriekaufmann ist für kaufmännische Aufgaben in Unternehmen verantwortlich. Das umfasst Bereiche wie Rechnungswesen, Einkauf, Materialwirtschaft, Marketing, Personalwesen und Vertrieb. Je nach Branche und Betrieb können die genauen Aufgaben variieren.
Das Gehalt eines Industriekaufmanns hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich Standort, Branche und Unternehmensgröße. Während der Ausbildung kann das Gehalt variieren, aber nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt in Deutschland durchschnittlich bei etwa 2500 € brutto pro Monat.
Das Gehalt eines Industriekaufmanns kann als angemessen betrachtet werden, besonders angesichts der breiten Palette von Branchen und Unternehmen, in denen sie arbeiten können. Es gibt auch Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung und Gehaltssteigerung.
Industriekaufleute sollten gute Kenntnisse in den Bereichen Rechnungswesen, Einkauf, Materialwirtschaft, Marketing, Personalwesen und Vertrieb haben. Darüber hinaus sind analytische Fähigkeiten, eine sorgfältige Arbeitsweise und die Bereitschaft, Neues zu lernen, wichtige Kompetenzen für diesen Beruf.