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Sabbatjahr: Vor- und Nachteile Deiner beruflichen Auszeit

  • Autor: Bennett Asal
  • Aktualisiert: 09.01.2024
  • Lesedauer: 9 Minuten
Titelbild: Sabbatjahr / Sabbatical

Einfach mal ein paar Monate oder sogar ein ganzes Jahr nicht arbeiten mĂŒssen und trotzdem monatlich Gehalt bekommen. FĂŒr viele klingt das wie ein Traum. Doch ein Sabbatjahr macht es möglich. Viele nutzen die berufliche Auszeit fĂŒr eine Weltreise, laden ihre Akkus wieder vollstĂ€ndig auf oder widmen sich mit ganzem Herzblut der Pflege eines Angehörigen.

Hinter dem Sabbatjahr steckt eine bezahlte Auszeit von der Arbeit – von mehreren Monaten bis zu einem ganzen Jahr. UrsprĂŒnglich kommt dieses Arbeitszeitmodell aus den USA. Es sollte Professoren ermöglichen, sich trotz der Arbeit an der UniversitĂ€t der Forschung widmen zu können. Schnell erkannte die freie Wirtschaft die vielen Vorteile des Sabbatjahres und so kam dieses Konzept nach Deutschland. Seit dem Eintritt der Generation Z gewinnen Sabbaticals an Beliebtheit, denn eines wird immer deutlicher: Arbeitnehmer achten zunehmend auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance. In den nĂ€chsten Abschnitten erfĂ€hrst Du mehr ĂŒber die Besonderheiten der beruflichen Auszeit und was Du dabei beachten solltest.

Was ist ein Sabbatjahr?

Das Sabbatjahr ist eine mehrmonatige berufliche Auszeit, in der Du nicht arbeitest, aber wie gewohnt Gehalt bekommst. Wie lange diese Auszeit anhÀlt, kannst Du in der Regel mit Deinem Arbeitgeber abstimmen.

Viele nennen das Sabbatjahr auch Sabbatical – hergeleitet vom HebrĂ€ischen „ơabat“, was ĂŒbersetzt „innehalten“ oder „mit etwas aufhören“ bedeutet. Dieser Begriff trifft es sehr gut. Du bekommst mit dem Sabbatical die Möglichkeit, mit der Arbeit aufzuhören, innezuhalten und dem zu folgen, was im stressigen Berufsalltag oft hinten runterfĂ€llt.

Einer Umfrage der Raja Group fand heraus, dass sich die meisten fĂŒr eine Auszeit zwischen 3 und 6 Monaten entscheiden. Quelle: https://blog.viking.de/auszeit-studie/

Infografik: Sabbatjahr - Einfach mal Pause machen.

Arbeitgeber schenken Dir nicht „einfach so“ ein Jahr frei inklusive Deinem gewohnten Gehalt. Es gibt 3 verschiedene Modelle, um das Sabbatjahr möglich zu machen:

  1. Langzeit- oder Lebensarbeitszeitkonto
    Du sammelst auf einem virtuellen Konto Überstunden, die Du Dir weder auszahlen noch gegen freie Tage eintauschen lĂ€sst. Mit der Zeit ist dieses Konto prall gefĂŒllt mit Stunden, die Du zusammenhĂ€ngend in Form eines Sabbaticals abfeiern kannst. Beim Lebensarbeitszeitkonto sammelst Du zusĂ€tzlich zu den Überstunden ĂŒbrige Urlaubstage, Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie weitere Boni. Dadurch wird der Traum der beruflichen Auszeit schneller wahr.
  2. BrĂŒckenteilzeit
    Du arbeitest gewohnt in Vollzeit weiter, jedoch reduziert sich die Wochenarbeitszeit offiziell auf Teilzeit. Damit sammelst Du sehr schnell viele Überstunden an, die Du dann im Sabbatjahr abfeiern kannst. Eine Abwandlung davon ist, dass Du wie gewohnt arbeitest, Dir jedoch „nur“ 6/7 des Lohnes fĂŒr 6 Jahre auszahlen lĂ€sst. Im 7. Jahr kannst Du Dein Sabbatjahr ohne jegliche finanziellen Einbußen genießen.
  3. Unbezahlter oder Sonderurlaub
    Dieses Modell ist kein richtiges Modell zum Sabbatical, weil Du unbezahlt lĂ€nger freinimmst. Jedoch wollen wir dieses Modell der VollstĂ€ndigkeit halber aufnehmen fĂŒr den Fall, dass Dein Arbeitgeber den Antrag auf das Sabbatjahr ablehnt. Bei diesem Modell ist es wichtig, dass Du Dich selbststĂ€ndig um alle Sozialversicherungen (Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung) kĂŒmmerst, um den Versicherungsschutz aufrecht zu erhalten. Bei dieser Methode kann dein Sabbatical unbegrenzt lange sein – auch mehrere Jahre. Sonderurlaub kannst Du Dir 1 Monat nehmen. Dein Arbeitgeber zahlt in dieser Zeit weiterhin VersicherungsbeitrĂ€ge – jedoch keinen Lohn.

Wer kann ein Sabbatjahr machen?

Wenn Du im öffentlichen Dienst verbeamtet oder angestellt bist, haben wir gute Neuigkeiten: Du hast gesetzlich Anspruch auf das Sabbatjahr.

Arbeitest Du in der freien Wirtschaft, hast Du leider keinen gesetzlichen Anspruch. Jedoch stimmen immer mehr Unternehmen den AntrÀgen zu. Einen Versuch ist es also wert.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Sabbatjahr?

Die Vorteile eines Sabbatjahres liegen fĂŒr viele auf der Hand:

  • 1 Jahr ganz den eigenen BedĂŒrfnissen folgen, ohne berufliche Verpflichtungen im Hinterkopf zu haben
  • Viel Zeit, die Welt zu bereisen und neue Kulturen kennenzulernen
  • Möglichkeit, sich voll und ganz einem sozialen Engagement zu widmen
  • Pflege eines Angehörigen ohne Doppelbelastung
  • Persönliche und/oder berufliche Weiterentwicklung
  • Akkus richtig aufladen und erholen
  • Mehr Work-Life-Balance
  • Sicherer Arbeitsplatz bleibt erhalten

Auch wenn all das wie ein Traum klingt: Beim Sabbatical ist nicht alles Gold, was glÀnzt. Es gibt auch Nachteile:

  • Mögliche organisatorische oder strukturelle Änderungen, die Deine RĂŒckkehr erschweren
  • KĂŒndigung wĂ€hrend des Sabbaticals möglich
  • Weniger Chancen auf eine Beförderung
  • Verlust des TeamgefĂŒhls
  • Niedrigerer Lohn (ggf. bereits lange vor dem Sabbatical)

All diese Vor- und Nachteile zeigen eines: Ein Sabbatjahr muss von Dir grĂŒndlich und vorausschauend geplant werden. Damit lassen sich viele der genannten Nachteile und deren Auswirkungen verringern. Über 60 % der Befragten geben an, sich nach der Auszeit glĂŒcklicher, energiegeladener und weniger gestresst zu fĂŒhlen. Quelle: https://blog.viking.de/auszeit-studie/

Wie funktioniert ein Sabbatjahr?

Bevor es in die berufliche Auszeit geht, mĂŒssen einige Vorbereitungen getroffen werden:

  1. Überlege, wie lange Dein Sabbatjahr dauern soll: 1 Jahr oder wenige Monate? Es gibt Unternehmen, die Dir bis zu 5 Jahre Sabbatical gewĂ€hren. Die meisten entscheiden sich allerdings fĂŒr 3, 6 oder 12 Monate.
  2. Stelle den Antrag. In den meisten FĂ€llen kannst Du ein Sabbatical nach mindestens 3 Jahren Betriebszugehörigkeit beantragen. Beachte, den Antrag frĂŒhzeitig zu stellen, da es einige Zeit dauert, Dein Langzeit- oder Lebensarbeitszeitkonto zu fĂŒllen und die anderen Vorbereitungen in die Wege zu leiten. Ein Antragsmuster findest Du hier.
  3. Dein Antrag wurde genehmigt? Herzlichen GlĂŒckwunsch. Achte jetzt darauf, dass in einem Vertrag alle Rahmenbedingungen und Vereinbarungen festgehalten werden. Das verhindert wĂ€hrend Deiner Auszeit und RĂŒckkehr böse Überraschungen.

Wie oft kann man ein Sabbatjahr eigentlich nehmen? Dazu gibt es keine gesetzliche Obergrenze. Theoretisch kannst Du regelmĂ€ĂŸig eine berufliche Auszeit nehmen. Bedenke jedoch, dass Dein Arbeitgeber jeden Deiner AntrĂ€ge genehmigen muss.

Bei vielen kommt auch die Frage auf: Kann man wĂ€hrend eines Sabbatjahres arbeiten? Denn bei 12 Monaten Auszeit, könnte schon einmal Langeweile oder ein finanzieller Engpass aufkommen. GrundsĂ€tzlich spricht nichts dagegen, Deine Finanzen in einer Auszeit aufzubessern. Jedoch musst Du dabei die Interessen Deines Arbeitgebers berĂŒcksichtigen. Das bedeutet:

Steht in Deinem Arbeitsvertrag, dass NebentĂ€tigkeiten angemeldet werden mĂŒssen, gilt das auch wĂ€hrend Deines Sabbatjahres. Gleichzeitig darfst Du nicht in Unternehmen arbeiten, die unmittelbare Konkurrenz zu Deinem Arbeitgeber stehen. Soziales Engagement ist kein Problem.

Das war leider noch nicht alles, was Du bei Deinem Sabbatical beachten musst. Wir haben schon öfter die Sozialversicherungen angesprochen:

Sozialversicherungen wÀhrend des Sabbaticals

Wenn du ein Teilzeitmodell wĂ€hlst, zahlt Dein Arbeitgeber weiterhin die BeitrĂ€ge zu den Sozialversicherungen (Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung). Da Dein Gehalt wĂ€hrend der Vorbereitungszeit und des Sabbatjahres an sich geringer ausfallen, hat das Auswirkungen auf die spĂ€teren Leistungen der Rentenversicherung. Es lohnt sich, mit Deinem Berater der Rentenversicherung zu sprechen und eine gute Lösung zu finden, mit der Du spĂ€ter keine Renteneinbußen hast.

Bei Sonderurlaub oder unbezahltem Urlaub laufen die Versicherungen 1 Monat gewohnt weiter. Bei lĂ€ngerer unbezahlter Auszeit solltest Du Dich selbststĂ€ndig um Deinen Versicherungsschutz kĂŒmmern – vor allem um Deine Kranken- und Pflegeversicherung.

Wie viel Geld bekommt man im Sabbatjahr?

Wie viel Gehalt Du wÀhrend des Sabbaticals erhÀltst, hÀngt vom Modell ab:

  • Bei den Modellen Langzeitkonto und Lebensarbeitszeitkonto bekommst Du sowohl in der Vorbereitungsphase als auch wĂ€hrend der Auszeit Dein gewohntes Gehalt.
  • Bei der BrĂŒckenteilzeit und LohnkĂŒrzung erhĂ€ltst Du vor und wĂ€hrend des Sabbatjahres weniger Gehalt.
  • Beim unbezahlten Urlaub wie beim Sonderurlaub fallen Gehaltszahlungen komplett weg.

Welche Option fĂŒr Dich ideal ist, hĂ€ngt von Deinen Fixkosten und PlĂ€nen fĂŒr Dein Sabbatjahr ab. Rechne Dir bereits in den Vorbereitungen fĂŒr das Sabbatical aus, wie hoch Dein monatliches Einkommen sein muss, damit Du Deine Auszeit wirklich genießen kannst.

Wie gestaltet sich die RĂŒckkehr ins Berufsleben?

Nach Deiner Auszeit kannst Du wieder an Deinen gewohnten Arbeitsplatz zurĂŒckkehren. Jedoch kann in 3, 6 oder 12 Monaten viel passieren – innerhalb des Unternehmens als auch generell in der Branche, in der Du tĂ€tig bist. Deshalb bekommst Du in der Regel eine Wiedereingliederung. In dieser Zeit wirst Du wieder eingearbeitet und machst Dich mit eventuell neuen Strukturen und AblĂ€ufen vertraut.

Hast Du gekĂŒndigt bzw. wurdest Du wĂ€hrend des Sabbaticals gekĂŒndigt, folgt nun eine Bewerbungsphase. Auszeiten ab 3 Monaten musst Du in Deinem tabellarischen Lebenslauf angeben.

BegrĂŒnde Dein Sabbatjahr ehrlich und verbinde es mit Vorteilen fĂŒr das neue Unternehmen:

  • Persönliche und berufliche Weiterentwicklung
  • Stressabbau und neue Motivation
  • Neue Soft Skills und Perspektiven

Fazit – das Sabbatjahr zur Stressreduzierung

Die heutige Arbeitswelt ist fĂŒr die meisten Arbeitnehmer mit viel Stress, vielen Überstunden und kaum Freizeit verbunden. In Hinblick auf eine ausgewogene Work-Life-Balance ist ein Sabbatjahr eine wunderbare Gelegenheit, Stress zu reduzieren. WĂ€hrend der 3-12 Monate beruflicher Auszeit kannst Du Deine Akkus aufladen, neue Perspektiven entwickeln oder Dich dem widmen, was sonst im Arbeitsalltag zu wenig Beachtung findet.

Bevor Du das Sabbatjahr antrittst, musst Du eine Menge Überstunden aufbauen. Teilweise reduziert sich Dein Gehalt vor und wĂ€hrend des Sabbaticals. Kalkuliere bereits vor dem Antrag Deine Fixkosten, damit Du Deine berufliche Auszeit entspannt genießen kannst, ohne in finanzielle Notlagen zu geraten. Hast Du genĂŒgend auf der hohen Kante, kannst Du Dein Sabbatical mit unbezahltem Urlaub verwirklichen.

Lass den Anspruch los, bei Deiner RĂŒckkehr am gleichen Punkt Deiner Karriere anzusetzen, an dem Du aufgehört hast. Oft braucht es eine Wiedereingliederung, um Dich wieder in die Strukturen einzufinden. Bewirbst Du Dich wĂ€hrend Deiner mindestens 3-monatigen Auszeit musst Du das Sabbatical im Lebenslauf erwĂ€hnen. VerknĂŒpfe es mit Vorteilen fĂŒr den neuen Arbeitgeber.

HĂ€ufige Fragen

Einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatjahr haben in Deutschland nur BeschĂ€ftigte und Beamte im Öffentlichen Dienst.
Bei einem Sabbatjahr nimmst Du eine mehrmonatige berufliche Auszeit. Zur Umsetzung gibt es unterschiedliche Modelle.
Die berufliche Auszeit ist unbezahlt. Wie viel Gehalt Du bekommst, hÀngt vom gewÀhlten Modell ab.
Im Grunde bezahlst Du Dein Sabbatjahr selbst.